Foto: Lotz

(Quasimodogeniti = wie die neugeborenen Kinder)

Wochenspruch:
„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ | 1. Petr 1,3

Predigttext: Jesaja 40, 26-31
26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?
28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
31 aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der Ev. Kirchengemeinde Otzenrath-Hochneukirch!

Wenn wir die hoffnungsvollen, tröstenden Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja lesen, dann berühren sie uns wohltuend. Es ist so als würde ein lieber Mensch, eine gute Freundin oder Freund neben uns sitzen, den Arm um unsere Schulter legen und zu uns sprechen: „Gott gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ Und: „Hebt eure Augen in die Höhe.“
Und wir spüren: Wenn da jemand ist, der trösten will, dann ist da auch jemand, der Trost braucht.
Es war für das Volk Israel eine Katastrophe, als im Jahr 587 vor Christus der babylonische König Nebukadnezar Jerusalem eroberte, zerstörte und ein Teil des Volkes ins babylonische Exil verschleppte. Etwa 70 Jahre lang dauerte dieses Exil. An dieses Ereignis erinnert auch das Lied von Boney M. aus den 1970er Jahren: „An den Strömen Babylons, da saßen wir. Ja, wir weinten, wenn wir an Zion dachten.“
Es war eine große Trauer und Wehmut bei dem Gedanken an die verlorene Heimat, den zerstörten Tempel.
Es ist ja oft so, dass man dann etwas vermisst, wenn man es nicht mehr hat; wenn man sich mit Veränderungen abfinden muss, diese aber nicht will; wenn uns etwas wie ein Faustschlag getroffen hat, den wir nicht abwehren konnten.
Und wenn ich das schreibe, dann gehe ich davon aus, dass wir alle so etwas schon erlebt und durchlitten haben, oder aktuell durchleben.
Vor Ostern ist die Passionszeit, die Leidenszeit. Vor der Auferstehung steht das Kreuz.
Und wie gut ist es, wenn grade in solch einer schweren Lebenszeit jemand da ist, der nicht einfach sagt: „Ach, komm, Kopf hoch, das wird schon wieder.“ Als Kind konnte ich mit dem Satz: „Indianer kennt keinen Schmerz.“ nicht gut umgehen. Wer Trost sucht, der braucht einen Menschen, der trösten kann. Der einen ernst nimmt und Hoffnung schenkt.
Dem Propheten war es wichtig, dem Volk Trost und Hoffnung zu schenken. Auch wenn nicht mit einem Fingerschnippen das ganze Elend beseitigt ist, so ist wirklicher Trost wie das Öffnen eines Fensters, durch das ein Lichtstrahl in ein dunkles Zimmer fällt. Allein schon dieser Gedanke, dass ich in der Trauer Licht sehe, das mir Hoffnung macht, tut gut.
Zurzeit erleben wir es in der Pandemie auch als Lichtblick, dass erste Lockerungen möglich werden. Auch wenn die Zahl der Infektionen noch ansteigt und die Zahl der Toten weltweit aber auch in Deutschland erschreckt und traurig macht, öffnet sich doch grade zaghaft wieder eine Türe. Und ich hoffe sehr, dass wir mit Gottes Hilfe und mit unserer Disziplin die Türe weiter öffnen können und das gewohnte Leben wieder zurückkehrt. Ich freue mich darauf, wieder Menschen treffen zu können, die ich längere Zeit nicht sehen konnte. Und wissen Sie, was ich in den letzten Wochen oft gehört habe? „Ich vermisse den Gottesdienst.“ Man weiß erst wirklich, was einem fehlt, wenn man es nicht (mehr) hat. Ich freue mich auch auf den Tag, an dem wir uns wieder in unseren Kirchen treffen können, gemeinsam das Evangelium, also die gute Nachricht hören, miteinander und füreinander und auch für die Welt beten und die vertrauten Lieder singen können. Denn: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.“
Amen.

Ihr Pfarrer Andreas Buddenberg

Wochenlied: Mit Freuden zart

Gebet:
Du Auferstandener,
Christus,
unsichtbar in unserer Mitte.
Zu dir beten wir.
Du bist das Leben.
Du hast dem Tod die Macht genommen.
Doch wir erleben,
wie der Tod immer noch nach uns greift.
Wir bitten um
dein Leben für die, die gegen den Tod ankämpfen,
dein Leben für die, die dem Tod ausgeliefert werden,
dein Leben für die, deren Kräfte versiegen.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Glauben.
Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du schenkst den Frieden, der die Welt überwindet.
Doch wir erleben,
wie weiter Unfriede herrscht.
Wir bitten um
deinen Frieden für die Menschen in Syrien,
deinen Frieden für alle, die eingesperrt und bedrängt werden,
deinen Frieden in unseren Häusern und Familien,
in unserer Nachbarschaft,
in unserem Land.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Frieden.
Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du gibst den Müden Kraft.
Du lässt uns aufatmen.
Wir danken dir
für den Atem,
für die Menschen an unserer Seite,
für den Glauben und dein Wort.
Dir vertrauen wir diese Welt an.
Dir vertrauen wir uns an.
Du bist das Leben. Halleluja.