Da wir mindestens bis zum 19. April keine Gottesdienste in unseren Kirchen in Hochneukirch und Otzenrath feieren werden, werden wir an jedem Wochenende „Gedanken zum Sonntag“ veröffentlichen. Die „Gedanken zum Sonntag“ versenden wir auch als Newsletter. Wenn Sie diesen Newsletter erhalten möchten, so senden Sie eine Mail mit dem Betreff „Newsletter“ an die Mailadresse otzenrath-hochneukirch@ekir.de

Hier finden Sie die dritten „Gedanken zum Sonntag“:

Predigttext:
Johannes 12, 12-19
Der Einzug in Jerusalem
12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde,
13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!
14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9):
15 »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«
16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.
17 Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat.
18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.
19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der Ev. Kirchengemeinde Otzenrath-Hochneukirch,

ab Montag beginnt eine stille Woche, die letzte Woche in der Passionszeit, der Fastenzeit: die Karwoche. Das Evangelium berichtet davon, dass Jesus in die Metropole Jerusalem einzieht. Zuvor lebte er eher auf dem Land, bei den Menschen am Rand der Gesellschaft und hat ihnen neue Lebensperspektiven gegeben.

Es hatte sich wie ein Lauffeuer herum gesprochen, dass Jesus Lazarus von den Toten auferweckt hat. Einen solchen Menschen musste man doch kennenlernen. Und so laufen ihm die Menschen in Jerusalem entgegen, rufen laut, wedeln mit  Palmzweigen und legen ihm ihre Umhänge auf den Weg, so wie man vor einem König zu Ehren den roten Teppich ausrollt. Für die einen war er der Hoffnungsträger, der von Krankheiten und anderen Nöten helfen sollte. Für andere war er ihr „wahrer König von Israel“, der das Land von der Macht der Römer befreit, die das Land besetzt hatten. Es gab unterschiedliche Erwartungen, die man an Jesus stellte: persönliche und auch politische.

„Hosianna“ –  Hilf doch!

Bei all dem Jubeln und Wedeln wird schnell übersehen, dass Jesus ganz wortlos, still in Jerusalem einzieht. Er kommentiert das ganze Treiben ringsherum nicht. Er kommt nicht, um die Macht zu übernehmen, sondern um in die Herzen der Menschen einzuziehen. Es geht nicht um Fans, um Mitläufer, sondern um Nachfolgerinnen und Nachfolger. Menschen, die erkennen, dass in dieser Welt, die voller Sackgassen und Abgründe, voller Fragen und Zweifel, in vielem bruchstückhaft ist, Gottes Reich immer wieder aufleuchtet.

Dieses Aufleuchten des Reiches Gottes kann schon im Lachen eines Kindes geschehen, das meine trüben Gedanken vertreibt; im Halten der Hand eines Kranken; im Lesen der Tageslosung, die mich hoffnungsvoll in den Tag gehen lässt; wenn Feinde sich die Hand reichen können und echten Frieden schließen; wo Liebe nicht im Streit zerbricht; wo Trost stärker wird als die Trauer; wo Menschen mit genommen werden, die sonst auf der Strecke bleiben…

Jesus ins Herz einziehen lassen, bedeutet, das Leben neu zu denken, von Gott her zu denken.

Vielleicht ist diese stille Zeit, in der wir durch die Coronakrise grade leben auch eine Gelegenheit, in sich zu gehen und über das Leben nachzudenken. Und ich bin mir sicher, dass uns bei diesem stillen Nachdenken, Moment, Situationen einfallen, in denen wir ein Licht sahen. Vielleicht sahen wir einen Hoffnungsschimmer grade in einer sehr dunklen Lebenszeit. Wo wir beschenkt wurden, womit wir nicht gerechnet haben. Wo wir bewahrt wurden, obwohl alles eher kritisch aussah. Oder theologisch ausgedrückt, wo uns Gottes Reich entgegen leuchtete.

Bleiben Sie unter Gottes Segen behütet. Amen.

Andreas Buddenberg, Pfarrer

Wochenlied:

Da der Palmsonntag eine Brücke zum 1. Advent schlägt, an dem auch die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem gelesen wird, ist das Wochenlied ein Adventslied. EG 14, „Dein König kommt in niedern Hüllen“

Segen:

Ich wünsche dir Augen, mit denen du einem Menschen ins Herz schauen kannst und die nicht blind werden, aufmerksam zu sein für das, was dieser Mensch von dir braucht.

Ich wünsche dir Ohren, mit denen du auch Zwischentöne wahrnehmen kannst und die nicht taub werden beim Horchen auf das, was Glück und die Not ist.

Ich wünsche dir einen Mund, der das Unrecht beim Namen nennt und der nicht verlegen ist, um ein Wort des Trostes und der Lieben zur rechten Zeit.

Ich wünsche dir Hände, mit denen du zärtlich liebkosen und Versöhnung bekräftigen kannst und die nicht festhalten, was du in Fülle hast und teilen kannst.

Ich wünsche dir Füße, die dich auf den Weg bringen zu dem, was wichtig ist, und die nicht stehen bleiben vor Schritten, die entscheidend sind.

Ich wünsche dir ein Rückgrat, mit dem du aufrecht und aufrichtig leben kannst und das sich nicht beugt vor Unterdrückung, Willkür und Macht.

Ich wünsche dir ein Herz, in dem viele Menschen zu Hause sind. Amen.

(nach Christa Spilling-Nöker)