(Misericordias Domini  = die Barmherzigkeit des Herren )

Predigttext: 1. Petrus 2, 21-25
21 b Da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;
22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;
23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;
24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.
25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der Ev. Kirchengemeinde Otzenrath-Hochneukirch!

Als ich den Predigttext las, dachte ich „oh, nimm lieber einen anderen.“ Aber warum soll man sich nicht einem holprigen Text stellen? 2 Wochen nach Ostern, in der Festzeit, klingt er gar nicht so richtig österlich. Wie das im Leben so ist, manchmal muss man genauer hinsehen. Und ein Satz ist mir ins Auge gesprungen. „Denn ihr wart wie irrende Schafe.“ So lassen wir uns nicht gerne vergleichen, mit irrenden Schafen. Nur so etwas werden wir im Leben durchaus erlebt haben, dass wir manchmal gar nicht wussten, wie es weiter gehen soll. Ja, es gab und gibt Zeiten, in denen wir die Orientierung verlieren. Wo das Leben ungespurt vor uns lag. Wie eine Öde. Wo wir auf der Suche sind nach einem haltgebenden Pflock, der irgendwo in den Boden gerammt ist, auf den wir zugehen können.
Wir sind alle froh, wenn wir unseren Halt im Leben gefunden haben. Nur, solch ein Halt kann uns durchaus auch wegbrechen. Mir sind manche Menschen bekannt, die grade jetzt in der Krisenzeit nicht wissen, wie es weiter geht. Denen die Einnahmen fehlen, die Kosten aber weiter laufen. Die einen lieben Menschen an ihrer Seite auch durch eine Coronainfektion verloren haben und sich in der Trauer erst einmal neu zurecht finden müssen. Auch in der Schule und in der Gemeinde erlebe ich, dass vieles geplant wird, aber wie alles weiter geht, wissen wir nicht wirklich. Und auch in der Politik erlebe ich eine ziemliche Ratlosigkeit, soll gelockert werden oder müssen tiefgreifende Einschränkungen bleiben? Mediziner warnen vor einer weiteren Coronawelle, die noch schlimmer ausfallen könnte.
Petrus schreibt: „Ihr wart wie irrende Schafe.“ Das heißt also: Petrus schreibt an Menschen, die einen Halt gefunden haben. Und wenn wir in diesem Bild bleiben, heißt das, dass wir einen Hirten gefunden haben. Sicherlich nach einer Zeit der Suche. Das Christwerden ist ein langer Prozeß. Man wird ein Christ, man ist nicht als Christ geboren.
Dieser Sonntag heißt auch „Hirtensonntag“. Und zu diesem Sonntag gehört auch der Psalm 23. „Der Herr ist mein Hirte.“ Und weiter heißt es in diesem Psalm: „Und wanderte ich im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Auch im finsteren Tal kann ich mich auf Gottes Gegenwart verlassen. Wenn ich im Dunkeln tappe, kann ich um mich greifen und mich auf seinen Stab stützen.
Einer der eindrucksvollsten Gottesdienste ist für mich die Osternachtfeier. In die völlig dunkle Kirche wird die Osterkerze getragen. Sie ist Symbol für Christus. So dunkel die Kirche auch ist, aber dieses Licht der einen Kerze gibt schon Orientierung.
Daran will uns Petrus erinnern, dass Christus uns Orientierung im Leben gib und wir nicht mehr „irrende Schafe“ sind. Christus will Licht in der Trauer geben. An ihn können wir uns wenden mit unseren Fragen und Lebensrätseln. Ihm können wir uns in Krisenzeiten anvertrauen und neue Kraft schöpfen.
Christus ist da. Er lehrt uns unsere Gegenwart, auch das Leiden, anzunehmen und aktiviert unsere Hoffnung.
Von Heinrich Grüber wird erzählt, er habe im Konzentrationslager Sachsenhausen den mit ihm gefangenen Martin Niemöller kommen sehen, während er grade einen Weg zu kehren hatte, Er habe für seinen Bruder und Leidensgenossen, den er nicht ansprechen durfte, in den Sand die Buchstaben „VIVIT“ geschrieben, das lateinische Wort „Er lebt“. Welch ein Hoffnungssignal in dieser Situation. Hoffnung die Mut gibt zum Leben und zum Durchhalten.
Solch einen weiterhelfenden und frohmachenden Impuls brauchen auch wir für unser Leben. In der Nähe das guten Hirten erreicht er uns – hoffentlich. Amen.

Ihr Pfarrer Andreas Buddenberg

Wochenlied: Der Herr ist mein getreuer Hirt

Gebet:

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Sind wir wie irrende Schafe?
Wir sehnen uns danach,
den Weg zu kennen.
Du weißt ihn.
Zeig uns den Weg.
Zeig ihn denen,
die uns regieren,
die über uns bestimmen,
die unser Wohl wollen.
Du guter Hirte,
suchst du uns?
Bringe uns auf den richtigen Weg.
Erbarme dich.
Du guter Hirte, Jesus Christus.
Wir sind gefangen in unserer Sorge.
Du siehst die Ängste der Welt.
Schau auf die Menschen,
die keinen Ausweg sehen –
auf der Flucht,
in Lagern,
im Krieg.
Schau auf die Menschen,
die kein Zuhause haben,
wo sie Schutz finden.
Und schau auf die,
für die der Schutzraum zur Gefahr wird.
Du guter Hirte,
suchst du sie?
Steh ihnen bei und trage sie auf deinen Schultern.
Erbarme dich.
Du guter Hirte, Jesus Christus.
Siehst du den Glauben?
Siehst du die Hoffnung?
Unsere Nachbarn im Ramadan.
Unsere Geschwister in der Ferne.
Unsere Gemeinde, deine Kirche.
Dir vertrauen wir,
denn du bist bei uns,
bei dir wird uns nichts mangeln.
Tröstest du uns?
Bereite uns den Tisch und bleib bei uns.
Erbarme dich,
heute und alle Tage.
Amen.