Wochenspruch

„Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Offb 1,18

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der Evangelischen Kirchengemeinde Otzenrath-Hochneukirch,

wir leben grade in bizarren Zeiten. Es wird wärmer, an vielen Tagen scheint die Sonne, die Natur lebt auf. In den Parks und Gärten blühen die Blumen und die Bäume haben Knospen. Am liebsten würden wir nach draußen gehen und so tun, als wäre alles in Ordnung.

Aber in diesen Tagen müssen wir anders leben als gewohnt. Abstand voneinander halten ist jetzt Nächstenliebe.

Manche unserer Pläne wurden durch die weltweite Coronaausbreitung durchkreuzt. Gebuchte Reisen wurden storniert.Vieles wurde auf „später“ geschoben. Konfirmationen, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern können entweder jetzt gar nicht oder nur in sehr kleinem Rahmen stattfinden.

Auch die Beerdigungen finden nur im kleinen Kreis direkt am Grab statt.

Das ist und das macht traurig. Es ist so vieles zu bedauern. Schlimm, dass wir eine solche Krise erleben müssen.

Ich bin mir sicher, diese Krisenzeit wird einmal in die Geschichtsbücher der nächsten Generationen eingehen.

Die Jahreslosung lautet: Ich glaube, hilf meinem Unglauben. (Markus 9,24)

Der 2. Teil ist wie ein Gebet. Ich glaube ja an dich, Gott, aber in solchen Zeiten kommen mir auch Zweifel. Glaube ist keine konstante Größe, sondern kennt auch Höhen und Tiefen. Aber dieser Ruf aus einer Lebens- oder Glaubenskrise hält den Verbindungsfaden zu Gott fest. „Gott, hilf meinem Unglauben.“

In solchen Zeiten helfen mir Trostbilder. Ein Trostbilder bekommen wir in den Osterevangelien vor Augen gemalt: Das Grab ist leer. Das Leben ist stärker als der Tod. Das ist die Botschaft von Ostern.

Meine Schülerinnen und Schüler haben mich nicht nur einmal gefragt: „Glauben Sie einen solchen Blödsinn eigentlich wirklich.“

Ja, ich glaube, dass das Leben stärker ist als der Tod. Dass der Tod eine Grenze hat. Die Liebe kann uns der Tod auch nicht nehmen, die endet nicht am Grab. Gegen die Liebe, die wir im Herzen tragen, kommt der Tod zu spät, die kann er uns nicht mehr nehmen.

Und wie ist das mit dem Leben?

Es fällt schwer, uns vorzustellen, dass es Leben geben soll, wo wir und auch Ärzte kein Leben mehr feststellen konnten.

Paulus kannte diese Fragen und hat sie im 1. Korintherbrief 15 aufgeschrieben: „Es könnte aber jemand fragen, wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen? Du Narr. Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, ist nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem.“

Ein Samenkorn einer Sonnenblume kann ich in die Hand nehmen. Das kann ich mir anschauen, so lange ich will oder auch abhören. Leben feststellen kann ich daran nicht. Und trotzdem steckt darin so viel Leben, dass daraus eine 3 Meter hohe Sonnenblume wächst mit vielen Blüten.

Leben auch da, wo wir es nicht sehen, eben an Gottes Herzen behütetes Leben.

Und dieser Glaube hat ja Auswirkungen auf unser Leben schon hier und jetzt. Wir dürfen hoffnungsvoll leben.

„Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ Römer 8,18

Auch diese Krise wird an ihre Grenzen stoßen. Und wir werden wieder aus den Häusern kommen und das Leben feiern und überlegen wie wir einander in der Weltgemeinschaft helfen können.

Das Trostbild von Ostern möchte uns Mut dazu machen. So wünsche ich Ihnen der Krisenzeit zum Trotz ein frohes Osterfest. Bleiben Sie behütet unter Gottes Segen. Und ich freue mich, wenn wir uns in den Kirchen wieder sehen – sobald es wieder zu verantworten ist.

Und der Friede Gottes, der höher und auch tiefer ist als unser Verstehen, der bewahre unsere Herzen und Sinne in der Liebe Jesu Christi. Amen.

Lied zum Osterfest

Gebet
Noch umgibt uns der Tod.
Aber du bist auferstanden, Christus.
Du bist das Leben und nimmst den Tod die Macht.
Du bist auferstanden und teilst dein Leben mit uns.
Komm mit deinem Leben in diese geplagte Welt.
Teile dein Leben
mit denen, die mit dem Tod ringen.
Teile dein Leben
mit denen, die von der Angst verschlugen werden.
Teile dein Leben
mit den Einsamen,
mit den Verzweifelten,
mit den Geschlagenen.
Du bist auferstanden und teilst dein Leben mit uns.
Komm mit deinem Leben in diese geplagte Welt.
Teile dein Leben
mit denen, die sich für andere hingeben.
Teile dein Leben
mit denen, die für dieses Leben kämpfen.
Teile dein Leben
mit denen, die uns lieb sind und nach denen wir uns sehnen.
Du bist auferstanden, Christus,
du besiegst den Tod, damit wir leben.
Teile dein Leben mit uns
und lass uns aufleben
heute und in diesen österlichen Tagen.
Noch umgibt uns der Tod,
aber wir beten dich an,
denn du bist das Leben.
Halleluja.
Amen.
 

In früheren Zeiten hat man in den Ostergottesdiensten Witze erzählt. Mit dem Lachen sollte symbolisch der Tod ausgelacht werden. An diese alte Tradition habe ich nach früheren Osterpredigten auch gerne angeknüpft. In diesem Jahr kann ich keinen Witz erzählen, aber Sie mit der Karikatur von Waghubinger wenigstens zum Schmunzeln bringen.