Wochenspruch

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ | Joh 3,16

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der Ev. Kirchengemeinde Otzenrath-Hochneukirch!

Dieses Bild, über das ich hier mit Ihnen zum Karfreitag meditieren möchte, habe ich in der Marktkirche in Halle aufgenommen. Obwohl die Kirche viele Sehenswürdigkeiten hat, zog diese Christusdarstellung die Gemeindegruppe magisch an. Dabei ist sie gar nicht schön anzusehen. Leid ist nie schön anzusehen.

Der 2007 verstorbene Künstler Johann-Peter Hinz hat diese Darstellung vom Kreuz 1976 geschaffen. Umstritten war dieses Kreuz von Anfang an. Und doch sprach es uns an.

Mit den biblischen Kreuzigungsberichten ist es nicht deckungsgleich. Oder doch?

Mir kamen gleich die Spötter unter dem Kreuz in den Sinn: „Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz.“

Hier in der Darstellung tut er es. Der geschundene Körper hat so viel Kraft, dass er sich vom Kreuz löst, den Stacheldraht durchbricht. Der linke Fuß tritt mit einer tiefen Symbolik auf den Totenkopf, der rechte zertritt die Schlange, das Symbol für das Böse in der Welt.

Aus dieser Perspektive betrachtet, schaut er mich an und scheint auf mich zu zeigen. Will er mir sagen: „Du bist gemeint, hilf mir in meinem Leid, schau nicht weg, geh nicht vorüber?“ Oder will er mir sagen: „Das was ich hier, tue als Sohn Gottes, das tue ich für dich, um dich zu retten?“

Selbst das Kreuz, das Symbol für den Tod schlechthin, ist verbogen. An diesem Kreuz kann keiner mehr gekreuzigt werden, keiner mehr sterben. Dem Tod ist die letzte Macht genommen.

Will der Künstler hier Karfreitag und Ostern gleichzeitig darstellen?

Der auferstandene Christus trägt auch in den biblischen Berichten die Wundmale. Auch der ungläubige Thomas will erst glauben, dass Jesus auferstanden ist, wenn er seine Finger in die Wundmale hat legen dürfen.

Will der Künstler mit dieser Darstellung uns unsere Zweifel nehmen?

Aus einer anderen Perspektive betrachtet, zeigt Christus auf den Abendmahlstisch. Auf den Tisch, an dem sich die Gemeinde in seinem Namen versammelt.

Er zeigt dort hin, als wollte er uns sagen: „Ich bin immer bei euch. Und an meinem Tisch, darf jeder einen Platz haben. Ich weise keinen zurück. Als ich mit den Jüngern zusammen war, habe ich auch keinen zurückgewiesen, auch Judas und Petrus nicht. Jeder hatte seinen Platz in meiner Nähe. Und auch wenn ihr euch versammelt, bin ich als der lebendige Sohn Gottes unsichtbar der Gastgeber. So sicher ihr Brot und Wein schmeckt, so sicher bin ich da. Kreuz und Auferstehung sind für euch geschehen.“

Amen.

 

 

Lied zum Karfreitag

Segen zum Karfreitag

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.